SaarGummi-Endlosdichtung als Beispiel wegweisender Innovationsstärke

7. September 2018


Der Automobilzulieferer SaarGummi, Wadern-Büschfeld, ist auf die Herstellung von Karosseriedichtungen spezialisiert und bekannt für seine hohe Innovationskraft. Das zeigt der anhaltende Erfolg. Die Redaktion der Saar-Impuls sprach mit dem Entwicklungsleiter der SaarGummi Group, Christian Kast, und dem Leiter des bei saaris angesiedelten Branchennetzwerks automotive. saarland, Dr. Pascal Strobel.

 

Herr Kast, von welcher Innovation hat der Standort hier im Saarland am meisten profitiert?

Wir haben am Produktionsstandort Büschfeld unsere Endlosdichtung für Fahrzeugtüren entwickelt, die wir unter dem Markennamen SealMatic® vertreiben. Diese patentierte Technologie ist einer der herausragenden Erfolge, die wir mit unserem Team an diesem Standort umsetzen konnten.

 

Wie funktioniert eine solche Endlosdichtung?

Wir stellen die Dichtung nicht mehr wie früher in Einzellängen von wenigen Metern, sondern als Endlosstrang her, der mit einer Länge von 1.400 Metern auf einen speziellen Ladungsträger aufgespult wird. Im Automobilwerk wird die Dichtung dann wieder abgewickelt und mit einem Roboter vollautomatisch mit der Fahrzeugtür verklebt. Erst dort beim Kunden wird die Endlänge millimetergenau auf die jeweilige Fahrzeugtür abgestimmt.

 

Was bringt dieses Alleinstellungsmerkmal?

Unsere Kunden können in Bezug auf Produktion, Lagerhaltung und Logistik erhebliche Vorteile für sich generieren. So konnte z. B. der notwendige Logistikaufwand um ca. 60 % reduziert werden. Auch die Variantenvielfalt wurde stark vermindert, teilweise von über fünfzig auf eine einzige. Trotz der höheren Anschaffungskosten für unsere hochautomatisierten Produktionsanlagen ist es für SaarGummi ein Erfolg, denn die Arbeitseffizienz sichert neue Aufträge.

 

Herr Dr. Strobel, wie wichtig sind solche Innovationen für die saarländischen Unternehmen?

Mit diesen Neuentwicklungen bleiben die Betriebe wettbewerbsfähig und können sich gegenüber der Konkurrenz, unter anderem in Niedriglohnländern, behaupten. SaarGummi zeigt eindrücklich, dass sich der teils jahrelange Aufwand im Vorfeld lohnt. Die Jahresproduktion ist heute so hoch, dass mit der Endlosdichtung einmal der Erdkreis umrundet werden könnte. Und die Aussichten sind gut, denn die Produktionslänge soll bis 2021 verdoppelt werden.

 

Inwieweit profitieren saaris und SaarGummi voneinander?

Dr. Pascal Strobel: Für saaris ist SaarGummi ein Taktgeber für die mittelständische Firmenlandschaft. Wir waren anlässlich unseres Branchenforums Anfang des Jahres mit 50 Unternehmen bei SaarGummi Neo zu Gast. Die strategische Ausrichtung des Betriebes auf die Weiter¬entwicklung der Produkte und Prozesse ist auch für andere Unternehmen ein gutes Beispiel, wie Innovation gelingen kann. Ebenso ist SaarGummi ein Treiber des Expertenforums „Mitarbeiter-Ideenmanagement“, das saaris auf Initiative der Automo-bilindustrie eingerichtet hat. Christian Kast: Wir schätzen automotive.saarland auch als Netzwerk, in dem wir schnell zu den richtigen Kontakten gelangen. Auf diesem Weg sind wir unter anderem auf das ZeMA aufmerksam geworden, wo wir inzwischen mehrere Forschungsprojekte laufen haben.

 

Wie sieht die mittelfristige Zukunft bei SaarGummi aus, Herr Kast?

Unser Unternehmen ist und bleibt auf Innovation ausgerichtet. Mit unseren Entwicklungszentren in Deutschland, China und Indien arbeiten wir in der Produktentwicklung an Fahrzeugmodellen, die in etwa zwei bis drei Jahren auf den Markt kommen. Ergänzend dazu haben wir mit der SaarGummi Neo unseren Forschungsbereich, mit dem wir noch einen Schritt weiter denken. Den Blick fünf bis acht Jahre in die Zukunft gerichtet, schaffen wir hier die Basis dafür, auch über das Jahr 2025 hinaus als Innovationsführer am Markt wahrgenommen zu werden.